MENSCHENZEIT Zerstören oder gestalten?

Montag, 15. August 2011

Die ökologische Schuldenkrise

Faule Kredite sind derzeit auch beim Umgang mit der Natur die Regel. Die Finanzkrise zeigt, wie schwer SchĂ€den an komplexen Systemen zu reparieren sind. Doch beim Geld geht es letztlich nur um Papier. Klima und Ökosysteme zu regenerieren, ist ungleich schwieriger. Weiter zu meinem Beitrag im politischen Feuilleton des Deutschlandradio Kultur...

Donnerstag, 7. April 2011

Menschenzeit, der digitale Strom...

Noch mehr News und Kommentare rund um "Menschenzeit" gibt es auf Facebook...

Sehr anthropozĂ€n: Das GrĂŒne Band...

The planners of the border zone separating East and West Germany thought they had considered everything. They wanted to stop people from fleeing the communist East for a freer life in the West, and they wanted to leave nothing to chance. So along the 1,400-kilometer (870-mile) border that stretched from the Baltic Sea to Bavaria, they built one of the cruelest barriers ever created by man. (...)

As it turns out, the planners of the East German border hadn’t quite anticipated everything. They didn’t envision that history would sweep them away. And they had no clue that what they were really creating in the long run was not a brutal enclosure but a highly valuable nature reserve.(Foto: Klaus Leidorf) By Christian SchwĂ€gerl

Mittwoch, 9. MĂ€rz 2011

"Wir sind auf der Erde das dominierende Raubtier"

FĂŒr "Spiegel Online" habe ich kĂŒrzlich mit dem Geologen Jan Zalasiewicz von der University of Leicester ĂŒber das AnthropozĂ€n gesprochen. Zalasiewicz leitet eine internationale Arbeitsgruppe, die wissenschaftliche Pionierarbeit: Sie sammelt Fakten zu der Frage, ob der Mensch die Erde wirklich so stark verĂ€ndert, dass sich dies langfristig in der Geologie niederschlĂ€gt. FĂ€llt die Antwort positiv aus, wĂŒrde dies einen offiziellen Prozess zur Umbenennung unserer Erdepoche in AnthropozĂ€n auslösen. Zalasiewicz sagte den schönen Satz: "Wir mĂŒssen uns der Tatsache stellen, dass wir zur Zeit das absolut dominierende Raubtier auf dem Planeten Erde sind und uns wie Besitzer verhalten." Das Wort AnthropozĂ€n bringe viele PhĂ€nomene zusammen, ĂŒber die bisher eher getrennt nachgedacht worden sei. Er vermittle uns auch ein GefĂŒhl fĂŒr die Dimension und Bedeutung des globalen Wandels, den der Mensch auslöse. Hier das Interview im Wortlaut. (Foto: Nasa)

Freitag, 4. MĂ€rz 2011

Mit "Menschenzeit" auf Tour

DESSAU: 23. MĂ€rz, 18 Uhr, Vortrag und Diskussion im Umweltbundesamt

GATERSLEBEN: 13. Mai, 10.30 Uhr, Vortrag im Rahmen der Veranstaltung "Wachstum und Reifung in Natur und Gesellschaft"

HUSUM: 7./8.Mai Tagung zur Wissenschaftskultur

BERLIN: 27. Mai Podiumsdiskussion ĂŒber die Natur der Zukunft am Museum fĂŒr Naturkunde

OLDENBURG: 30. Mai, Vortrag "Das AnthropozÀn: Tatort oder Keimzelle" auf dem Deutschen PrÀventionstag

JENA: 14. Juni, Vortrag an der Friedrich-Schiller-UniversitÀt in Kooperation mit der Konrad-Adenauer- und der Heinrich-Böll-Stiftung

EISENACH: 15. Juni, Vortrag in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung

ACHERN: 18. November, Vortrag

Dienstag, 1. MĂ€rz 2011

Das AnthropozÀn als Welle

National Geographic bringt in der MĂ€rzausgabe eine Riesengeschichte zum AnthropozĂ€n, die New York Times hat gerade ein Editorial zum AnthropozĂ€n veröffentlicht, die Philosophical Transactions kommen mit einem Sonderband dazu heraus (siehe unten), in Frankreich gibt es eine Neuerscheinung namens "Anthropocene" – es sieht so aus, als ob die Idee der "Menschenzeit" weite Kreise zieht. Das sehr anthropozĂ€ne Foto zeigt Europa bei Nacht, von der Internationalen Raumstation aus fotographiert. Der helle Fleck im Vordergrund ist Paris, der Blick geht gen Osten...Foto: Nasa

Montag, 21. Februar 2011

Primitive Ökosysteme

Wirklich gutes PerspektivenstĂŒck des Ornithologen Peter Bertold in der neuen Ausgabe von "Max-Planck-Forschung": "Viele Agrar-Technokraten steuern offenbar immer mehr ganz einfache, reduzierte Ökosysteme an – im Osten etwa Mensch-Reis-Geflügel-SuÌˆĂŸwasserfische, dazu etwas Gemüse und Früchte; bei uns Mensch-Weizen-Mais-Schwein-Rind und einige Zusatz- und Luxusprodukte. Inzwischen wissen wir: Solche Minisysteme lassen sich auf Dauer nicht stabil halten. Geflügelpest (Vogelgrippe), ein gegenüber Pestiziden resistenter Maiswurzelbohrer oder eine Art Getreide-Aids könnten ein Glied der kurzen Kette herausbrechen und damit schlagartig Millionen Menschen dahinraffen. (...) Ökosysteme sind umso stabiler, je arten- (oder auch sorten-)reicher sie sind. Allein daher sollten wir möglichst viele Arten erhalten. Dazu kommen noch weitere Gründe. So nutzen wir bisher nur einen Bruchteil der oben genannten zehn Millionen Arten. Aber schon dabei erweisen sich für fast jeden Fortschritt bestimmte Arten als Schrittmacher. Praktisch jede Art könnte also irgendwann eine Schlüsselrolle für wesentliche Bereiche unseres Lebens spielen. Daher sollten wir vorsorglich so viele Arten erhalten wie möglich."

Sonntag, 13. Februar 2011

Mein anthropozÀner Komposthaufen

Als ich das Buch "Menschenzeit" schrieb, wusste ich noch nicht, dass in unserem Garten ein Paradebeispiel fĂŒr das AnthropozĂ€n zu finden ist. Am Samstag, bei frĂŒhlingshaftem Sonnenschein, habe ich mit meiner dreijĂ€hrigen Tochter den Komposthaufen angestochen. Es ist ein riesiges Gebilde, den schon die Vorbewohner des Hauses genutzt haben.

Wir wollten Humus gewinnen, weil wir in diesem Jahr Kartoffeln und Topinambur anbauen werden, zwei Pflanzen, von denen ich hoffe, dass sie meinem Schwarzen Daumen, dem in der Regel selbst Kakteen zum Opfer fallen, widerstehen können. Der Gedanke, mitten in Berlin wenigstens fĂŒr ein paar Mahlzeiten GemĂŒse zu gewinnen, ist verlockend.

Was erwartet man von einem Komposthaufen? Ein Durcheinander an Lebewesen, Erde, KĂŒchenabfĂ€llen, BlĂ€ttern, Rasenschnitt.

Doch unser Komposthaufen hatte mehr zu bieten.

In "Menschenzeit" entwickle ich die Idee des NobelpreistrĂ€gers Paul Crutzen weiter, dass unser Zeitalter statt HolozĂ€n besser AnthropozĂ€n heißen sollte, weil der Mensch die Erde langfristig und irrversibel verĂ€ndert. Das habe ich so beschrieben: "Jede Erdepoche schlĂ€gt sich in einer spezifischen geologischen Schicht nieder. Die Schicht, die von uns bleiben wird, beginnt bereits jetzt mit einer merkwĂŒrdigen toxischen Störung. Es sind unter anderem Schwermetalle, radioaktive Isotope und Tausende von persistenten Chemikalien, die in sie eingehen. Noch ist viel Zeit, dass diese Störung in eine fruchtbare Schicht ĂŒbergeht, die sich aus den kompostierten Maschinen, GebĂ€uden und Lebewesen einer biologischen Epoche formt. Das ist nicht das ultimative Ziel der menschlichen Zivilisation, aber Teil ihrer Kultur: eine fruchtbare, optionenreiche Erde zu hinterlassen fĂŒr das, was nach ihr wĂ€chst."

Kartoffeln mit Styroporgeschmack?

Als wir den Komposthaufen oben anstachen, sahen wir wunderbare, braune Erde. Sie muss sich im vergangenen Jahr gebildet haben, aus organischen Überresten unseres Lebens. Hinter dem Sieb lag feinster, reiner Boden, dieses Gemisch aus Leben und Mineralwelt. Ein sinnlicher Genuss, ihn zwischen den Fingern durchrieseln zu lassen. ElĂ­n entdeckte einen Regenwurm und schwankte, als er auf ihrer Hand lag, zwischen EntzĂŒcken und Ekel. Wir streuten den Humus auf der kleinen BeetflĂ€che aus und freuten uns.

Doch dann stießen wir in eine tiefere Schicht des Komposthaufens vor. Und die hatte es in sich. Ein Kugelschreiber, ein grĂŒnes KĂŒgelchen, Styropor, ein Netz fĂŒr Vogelfutter, Plastikschnippsel ragten aus dem Boden heraus...Was hatte ich erwartet? Reine, unberĂŒhrte Erde aus vergangenen Jahren – und dann das. Plastikreste aus dem FrĂŒh-AnthropozĂ€n! Noch eine Schicht tiefer und ein StĂŒck Teerpappe kam zum Vorschein, ein Produkt, das aus den giftigsten Überresten des Raffinierens von Erdöl besteht.

Wir hörten auf zu graben.

Was tun?

Ein grundsĂ€tzliches Mißtrauen gegen diesen Komposthaufen machte sich breit. Was heißt das, KugelschreiberflĂŒssigkeit, PlastikkĂŒgelchen und Teerpappenpampe unter der Erde zu haben, aus der wir unser Essen beziehen wollen? Kartoffeln mit einem Styroporgeschmack wie beim Bahnhofskaffee?

Dann fiel mir auf, dass ich vor mir ein perfektes Beispiel der anthropozĂ€nen Erde hatte, die am Entstehen ist. Es sind Bodenschichten, die erzĂ€hlen, was Menschen getan haben. "The geology of mankind", wie Paul Crutzen schrieb. Wir sind dabei, eine Gebrauchterde zu schaffen. Irgendwann in naher Zukunft wird jeder Quadratmeter schon einmal von Menschen berĂŒhrt oder genutzt worden sein. Und was werden die Menschen der Zukunft dann finden?

Weil das so symboltrĂ€chtig ist, habe ich mich nun irgendwie mit meinem anthopozĂ€nen Komposthaufen angefreundet. Er soll mir Geschichten aus der Vergangenheit erzĂ€hlen. Ich werde ihn sieben und sichten. Ich werde den MĂŒll rausholen und sammeln. Die Erde aus den unteren Schichten werde ich nur fĂŒr den Rasen, aber nicht fĂŒr das Kartoffelbeet einsetzen - oder weiß jemand Besseres?

Und in Zukunft? Mal sehen, wieviel feinen Humus unser Alltag hervorbringt - nicht nur im eigenen Garten.

Freitag, 11. Februar 2011

Die Royal Society ruft das AnthropozÀn aus

Im Jahr 1660 wurde sie von einer Handvoll Wissenschaftler gegrĂŒndet. Das macht die Londoner Royal Society zu einer der Ă€ltesten Wissenschaftsorganisationen der Welt. Nun legt die Royal Society ein beeindruckendes Dokument vor, wie sehr sie sich der Zukunft verpflichtet fĂŒhlt. Die aktuelle Ausgabe der Philosophical Transactions A widmet sich ganz dem AnthropozĂ€n. In acht BeitrĂ€gen beleuchten Forscher verschiedener Disziplinen, was den Menschen zur dominanten Kraft der VerĂ€nderung auf der Erde macht - von der AtmosphĂ€re bis hinab in die Tiefsee. Sie kommen zu dem Schluß, es sehe danach aus, "dass in den vergangenen zweihundert Jahren eine epochale Grenze ĂŒberschritten wurde".Geologen beschreiben in dem Journal, wie unser Alltag bereits eine klar identifizierbare Bodenschicht hervorbringt, an der Wissenschaftler der Zukunft den Beginn des AnthropozĂ€ns ersehen können. Aber aus was genau wird diese Bodenschicht bestehen - wird sie toxisch sein oder fruchtbar?

Donnerstag, 10. Februar 2011

Eine Talkshow aus der Zukunft

Großartiger TV-Fund von 1968, den Koert van Mensvoorts interessante Internetseite Next Nature verbreitet: Norman Mailer und Marshall McLuhan streiten ĂŒber das, um was es heute in der AnthropozĂ€n-Debatte geht: Gibt es Natur ĂŒberhaupt noch? Marshal McLuhan, der Medientheoretiker, von dem der Begriff "globales Dorf" stammt, meint Nein. Mailer glaubt, die Natur hĂ€tte noch 100 Jahre. Ebenso bemerkenswert wie die Debatte an sich ist das Niveau der Talkshow. Schade, dass nur 10 Minuten erhalten sind – die haben es aber in sich... Das Ganze wirkt eher wie eine Show aus der Zukunft.

Montag, 24. Januar 2011

Living in the Anthropocene: Toward a New Global Ethos

A decade ago, Nobel Prize-winning scientist Paul Crutzen first suggested we were living in the “Anthropocene,” a new geological epoch in which humans had altered the planet. Now, in an article for Yale Environment 360, Crutzen and a coauthor explain why adopting this term could help transform the perception of our role as stewards of the Earth.

By Paul J. Crutzen and Christian SchwÀgerl

It’s a pity we’re still officially living in an age called the Holocene. The Anthropocene — human dominance of biological, chemical and geological processes on Earth — is already an undeniable reality. Evidence is mounting that the name change suggested by one of us more than ten years ago is overdue. It may still take some time for the scientific body in charge of naming big stretches of time in Earth’s history, the International Commission on Stratigraphy, to make up its mind about this name change. But that shouldn’t stop us from seeing and learning what it means to live in this new Anthropocene epoch, on a planet that is being anthroposized at high speed. Weiterlesen...

Sonntag, 16. Januar 2011

Europas Rettung: Elektroschrott?!

Kleiner Nachtkommentar zur Kritik an der deutschen "KaufzurĂŒckhaltung"

Schaltet Euer Hirn aus, wenn Ihr einkaufen geht! Verschwendet Euer Geld fĂŒr Dinge, die ĂŒbermorgen schon kaputt sind! 7 Plasmabildschirme fĂŒr jeden! Fallt absichtlich auf alle Werbe-Tricks rein! Werft alles weg, was Ă€lter als ein Jahr ist......Das ist die Botschaft, die die Deutschen sich wegen ihrer angeblichen "KaufzurĂŒckhaltung" anhören mĂŒssen, vor allem aus den USA...Ein deutscher Kaufrausch sei nötig, um die Weltwirtschaft anzukurbeln und das Handelsdefizit auszugleichen, fordern auch Obamas Finanzberater. Angesichts der Ebay-Mitteilung, dass nach Weihnachten Geschenke im Wert von einigen hundert Millionen Euro zum Weiterverkauf ins Netz gestellt wurden, fragt man sich zwar, was diese Vorhaltung bedeuten soll. Wenn man sich in deutschen Einkaufsmeilen umschaut, sieht man ausreichend Menschen, die Dinge kaufen, die der Erde mit Gewalt und Umweltzerstörung abgetrotzt wurden. Ein Elektromarkt feiert sein "JubilĂ€um" gerade mit dem Slogan "Geil ist geil". Aber das alles reicht unseren Kritikern nicht...(weiterlesen)

Freitag, 7. Januar 2011

Die Menschenzeit-Schule von Bali

Über eine Geschichte in der "New York Times" bin ich auf die sehr anthropozĂ€ne "Green School" auf der Insel Bali in Indonesien aufmerksam geworden. An dieser Schule steht der Umgang mit Natur und Umwelt im Mittelpunkt. Die Klassenzimmer sind nach allen Seiten offen, in fantastischen Bambusbauten. Die Kinder lernen, Pflanzen anzubauen, Tiere zu halten, die Verbindungen in ihrer Umwelt zu verstehen. Ziel der Schule ist es, eine "neue Generation von ökologischen Vordenkern und MeinungsfĂŒhrern " heranzubilden. Der Auftritt von SchulgrĂŒnder John Hardy bei einer TED-Konferenz ist sehr eindrucksvoll. Wenn die Schule auch nur einen Teil dieser Ziele erreicht, wĂ€re das großartig. Das Ziel: ein weltweites Netz grĂŒner Schulen. Warum ist nicht jede Schule so?

Donnerstag, 6. Januar 2011

Freiheit!

"Die indogermanische Wortwurzel fĂŒr »frei« stand ursprĂŒnglich fĂŒr »vertraut, lieb, eigen«, fĂŒr »helfen, lieben, umsorgen«, fĂŒr »Zuneigung, Freundschaft«. Das ist ein ferner Hall einer Freiheit, die tiefer geht als das ungehinderte, von RĂŒcksichtnahme entbundene, sich kostenlos bedienende Wirtschaften, das sich heute im Freiheitsbegriff einer primitiven AusprĂ€gung des Liberalismus niederschlĂ€gt. Freiheit braucht heute einen Zeitbezug: Die »freie« Marktwirtschaft ist nur so frei, wie sie auch den Menschen des Jahres 2030, 2050 oder 2150 die Freiheit lĂ€sst, nicht Sklaven einer verarmten, vergifteten und klimatisch gestörten Umwelt zu sein.

Freiheit kann gerade in Begrenzung bestehen: Die Freiheit, die allein auf eine Maximierung des Umsatzes und des Konsums abzielt, bringt zwanghafteres Verhalten hervor als die Freiheit, sich zu bescheiden und zu mĂ€ĂŸigen. Freiheit von heute kommt in einer dichtbesiedelten Welt ohne ein GegenĂŒber nicht aus: Das ist heute nicht nur der Andersdenkende, sondern auch der anderswo oder erst kĂŒnftig lebende Mensch, den man ungefragt in den eigenen Stoffwechsel einbindet. Auch die andersartigen Lebewesen, die vom eigenen Lebensstil betroffen sind, gehören dazu. In diesem Sinn ist eine Marktwirtschaft, die in ihren Bilanzen Natur einen Eigenwert und UmweltschĂ€den einen hohen Preis zumisst und die nicht vom bestĂ€ndigen Wachstum des Materialverbrauchs abhĂ€ngig ist, viel freier als das, was bei selbsternannten »Liberalen« unter freier »Marktwirtschaft« verstanden wird."

(Aus "Menschenzeit")

Mittwoch, 5. Januar 2011

Gelesen: Jenseits der Öko-Romantik

Drei BĂŒcher, die meine Frau und Freunde aus Amerika mitgebracht haben, möchte ich sehr empfehlen: In "The Age of the Unthinkable" analysiert der frĂŒhere Time-Auslandschef Joshua Cooper Ramo, warum so viele hehre Ziele ins Gegenteil fĂŒhren: der Krieg gegen den Terrorismus gebiert mehr Terroristen, Umweltschutzmaßnahmen begĂŒnstigen den Niedergang von FischbestĂ€nden, die ach so rationale Marktwirtschaft vergrĂ¶ĂŸert den Abstand von Reich und Arm. Seine Diagnose: Mehr ökologisch inspiriertes Denken ist in Politik und Wirtschaft ĂŒberlebenswichtig und kann Krisen vermeiden. Denn nur wer zur "komplexen Adaptation" in der Lage ist, kann gewinnen. Sehr inspirierend. Der jĂ€hrliche Band "The Best of American Science and Nature Writing" ist immer lesenswert, in der Ausgabe von 2010 stechen zwei BeitrĂ€ge heraus: "Graze Anatomy"ĂŒber ökologische Rinderhaltung und "The Monkey and the Fish"ĂŒber ein Naturschutzprojekt in Mozambique. Und schließlich sei "Don't sleep, there are snakes" empfohlen, in dem Daniel Everett ganz frei von falscher Öko-Romantik sein Leben mit den Piraha-Indianern im Amazonas beschreibt. Er geht als Missionar hin und wird von den Pirahas missioniert...Eine Beobachtung möchte ich noch teilen: In der Mega-Buchhandlung Dussmann in der Berliner Friedrichstrasse habe ich gestern die Abteilung fĂŒr UmweltbĂŒcher durchgeschaut. In gleich vier BĂŒchern, die ich aufschlug, stach mir das Wort "AnthropozĂ€n" entgegen, meist angerissen im Perspektiventeil ganz am Ende...Die Idee gewinnt also an Fahrt! (Foto: AlgenblĂŒte im Pazifik, Nasa)
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